Als ich am Sonntag nach fluchtartiger Abreise und knapp 1 1/2 Wochen wieder meine Wohnung betrat war eines klar: Die Küche wird ignoriert. Der Raum zwischen Flur und Dusche wurde von mir instinktiv zur Gefahrenzone erklärt. Immerhin, dieser Schritt sorgte dafür, dass ich die Nacht auf Montag halbwegs überstand und mein einziges Problem darin bestand, den Inhalt meines Wäschekorbes vorzusortieren. Soweit der Sonntag. Am Montag allerdings hieß es Konfrontationskurs. Frau will ja nicht hungrig und ohne Kaffee ins Büro schleichen. Eine völlig inakzeptable Situation. Tür auf, Kühlschrank anvisiert, Margarine und Marmelade gegriffen, Messer und Brot eingesammelt. Das klappte besser als gedacht. Selbst der Kaffee konnte ohne Probleme aufgesetzt werden. Was dann aber folgte war kam dem Schreck nahe den man verspürt, wenn man nichtsahnend bei Viva reinschaltet und auf Gülcan trifft – ohne sauberen Becher kein Kaffee. Verzweifelte Blicke, genervtes Gesuche und die ernüchternde Feststellung, dass ich den Mount Everest an spülbereitem Geschirr nicht mehr zu verdrängen vermochte. Eine halbwegs akzeptable Tasse wurde entnommen, liebevoll von Hand gespült, die dafür entstandene Wasserverschwendung als Kolalateralschaden abgetan. Al Gore wird mir deswegen schon keinen Vortrag galten, immerhin beruhigte ich mein Gewissen beim Verlassen der Wohnung durch pflichtbewusste Mülltrennung.
Montagabend dann die erste Spülaktion, getrennt nach Verschmutzungsgrad und Wichtigkeit (Kaffeetassen, Biergläser, Messer). Weiter kam ich nicht, der DVD-Player musste ja auch noch angeschlossen werden. Und wenn ich schon die Wahl habe zwischen kochendem Spülwasser und Martin L. Gore ist eine weitere Aufenthalt in der Küche schon mal so gar nicht möglich. Mit Abendessen war ich auch versorgt, dem Sushu-Laden sei gedankt. Übrigens seltsam, ich wohne hier noch nicht sonderlich lange, aber da bin ich bereits Stammkundin. Müsste das nicht anders sein? Müsste ich nicht eine Stammkneipe sein? Aber nein, ich habe einen Stammsushi-Laden. Himmel, bald kaufe ich mir eine Espressomaschine, abonniere das Rolling Stone Magazine und habe die Wandlung zum Yuppie vollendet.
Bis dahin allerdings ergötze ich mich weiter an blonden Jünglingen im Lederdress. So gegen 23:00 fiel mir ein, dass ich ja eigentlich noch hätte einkaufen müssen. Obwohl, ich war satt, ich hatte mein Glas Leitungswasser, was sollte da schon schief gehen? Eingelullt von „I want you now“ und „A question of lust“ hieß es dann Gute Nacht, Adieu, wo ist mein Lieblingsplüschtier? Ein Griff unter Bett rettet das IKEA-Plüschi vor einem Ende als Staubfänger. Aber ob es als Nackenrolle glücklicher ist? Wer weiß das schon. ch gehe einfach mal davon aus.
Der Dienstag. Der Dr.House-Tag. Ja, es hätte so schön werden können. Auf MTV tummelten sich die drei Jazzmusiker aus Berlin, das Wetter sah harmlos aus, der Weg vom Bad in die Küche war entspannt und ohne Hindernisse. Saubere Messer, trockene Gläser, der Kaffee war bereits aufgesetzt. Nur das Brot, dass hatte sich schon physisch auf Freitag eingestellt und sich dem natürlichen Verfall hingegeben. In Krisenzeiten sagt man ja, dass man Schimmel auch einfach aus dem betroffenem Essen heraus schneiden könnte. Das Drumherum, das sei ja nicht befallen und damit noch verträglich. Das ist keine Krisenzeit, in der wir leben. Das ist kein Kohlrübenwinter. Das ist 2007. Da sind die Brotscheiben so klein, dass man da nichts heraus schneiden kann weil eh nichts mehr übrig bleiben würde. Aber gut, alles kein Drama. Millionen andere Singlehaushalte haben diese Situation bereits hinter sich, so etwas ist machbar. Durchatmen, sich neu orientieren. Aber ob man zum Frühstück schon Pizza essen sollte? Oder Frühlingsrollen?
Früher stand ich gegen 7:15 Uhr auf und in der Küche stand der gedeckte Tisch. Tee wurde eingeschenkt, es gab eine reichhaltige Auswahl an Käse, Wurst und Aufschnitt. Schimmeliges Brot war so unwahrscheinlich wie rote Bettwäsche, die mein Lieblings T-Shirt verfärben konnte. Doch jetzt, wo ich einen vollen Kühlschrank und frisch Zubereitetes gegen die Freiheit, zu essen was und wann ich will, eingetauscht habe, habe ich zwei Möglichkeiten.
Ich suche mir eine Freundin die kochen kann und will.
Ein unglaublicher Vorteil. Das wäre das Ende der Billigprodukte, das Ende von „Nichts mehr im Haus“ und das Ende von „Aber gestern sah das doch noch frisch aus…“. Auf lange Sicht aber ist das wahrscheinlich keine Basis für eine Beziehung. Außerdem mag ich mein Badezimmer nicht mit anderen teilen, gibt nur Ärger wegen Haaren in der Dusche und mitbenutzen Zahnpastatuben. Also eher suboptimal.
Ich lerne kochen.
Bitte? Sich der Gefahr von siedendem Fett, scharfen Messerklingen und langen Vorbereitungsorgien aussetzen? Ich bin Single und lebe seid gerade mal einem Jahr alleine. Von mir darf man so etwas nicht verlangen. Das ist als wenn man mit einem Rosenstolz T-Shirt beim Sido-Konzert auftaucht – Verwirrung in allen Ecken. Abgesehen davon hatte ich in der Schule bereits keine Freude am allwöchentlichen Kochen.
Aber, solange man Nudeln vom Vortag noch einmal im Zopf aufwärmen kann, solange es bei Penny in der Tiefkühltruhe Mozarellasticks für den Backofen gibt…. solange wird das einfach nichts mit dem Kochen. Denn, ganz einfach, vor allem steht die Bequemlichkeit und die will überwunden werden. Aber, nicht jetzt. Ein andern mal. Oder, wie Scarlett O’Hara sagen würde: Verschieben wir es doch auf Morgen.
Oktober 22, 2007 um 3:16
Made my day, darling.
Und so isses.
Tja…. Son bisschen Kochen können ist doch nicht schlecht. Und es schadet auch nicht
Oktober 23, 2007 um 1:24
Call me Darling and there’ll be no other day for you.
Also bitte
Naja, so ein wenig halt. Die Basics. Bratkatoffeln, Rührei, Spiegelei, Nudeln.. verhunger bin ich bis jetzt ja nicht.
November 3, 2007 um 12:33
Mehr als deine Basics kann ich auch nicht… Und verhungert bin ich auch nicht.
Aber gut, bis jetzt hab ich in meinem Leben auch meist eine gesicherte Grundversorgung durch Mutti bzw. meinen Dienstherren gehabt *g*
Wobei die Versorgung durch Mutti eindeutig besser geschmeckt hat. grml.
November 5, 2007 um 2:52
na dafür war die durch deinen Dienstherren doch hoffentlich wenigstens warm und sättigend ^^