Plädoyer für ein aussterbendes Medium

By absinthschaf

Was sinnfreies an einem Freitag Nummer 13.

 

Es ist fast wie ein Instinkt der mir befiehlt, sobald man am Monatsende Geld übrig hat, damit auf die Jagt zu gehen. Meist spontan, ab und an jedoch geplant, beginnt die Suche nach den ganz speziellen Objekten aus prähistorischer Zeit. Auf den Spuren der Vergangenheit führt mich mein Weg dabei stets konsequenterweise zum nächstgelegenen Geschäft, das sich für die Erhaltung und Verbreitung einer besonderen Spezies einsetzt: Die Compact-Disc.

 

Für die Jüngeren unter uns. Die CD ist ein eine kleine Scheibe, mit einem Loch in der Mitte. Auf dieser Scheibe befinden sich Daten, die mittels eines separaten Lesegerätes -> CD-Player abgerufen werden können. Die Datenmenge eines solchen Mediums beschränkt sich auf 74 Minuten Klangfreude.

Bedroht wird die CD vor allem durch Kratzer auf der Trägerschicht, unvorsichtiges Zertreten und selbstverschuldetes Verlieren. Musikverbände spielen zudem gerne damit, möglichst vollkommene Kopierschutzverfahren zu entwickeln, die sich allerdings auf das Abspielen negativ auswirken. Ich sach nur „Mensch“.

 

Scheinbar bin ich altmodisch, denn ich besitze keinen MP3-Player. Ich werde mir auch keinen zulegen, das ist einer meiner Grundsätze. Warum? Nun, zuerst einmal bin ich ein Freund von Alben. Die CDs haben meist ein schönes Bild auf dem Datenträger, ein Cover, ein Booklet. Im besten Falle habe ich die Liedtexte gleich zur Hand. Überhaupt isr das eine der ersten Aktionen nach dem Kauf. Lästiges Plastik entfernen, Hülle aufklappen, CD bewundern, im Booklet blättern. So die Reihenfolge noch vor dem Hören der Musik. So und nicht anders. Ausser bei Singles, da fällt das Beiheft ja eher mager aus.

Dem heiligen Ritual folgt das Anhören im ersten Durchgang. Im zweiten Durchgang wird dann eher auf die Texte geachtet, als nur auf die Melodie. Im dritten Durchgang sind die Klangeffekte an der Reihe. Obwohl…. Das variiert je nach Musikrichtung. Oder hat jemand bei der aktuellen Blind Guardian Platte sich daran erfreut, wie sich der Ton über Kopfhörer im schönsten Stereosound anhört? Na? Na? Ebens.

 

Dabei könnte ich mir das Leben so einfach machen. Ein Beispiel: Das Depeche Mode „Best of“ Album kostete zur Veröffentlichung im hiesigen Geschäft 16€. Bei Musicload bekam man es für 9.99€ Alles die gleichen Lieder, alles als legale MP3, alles ohne Qualitätsverlust durch Staub und Kratzer. Ja aber, sagt da doch jetzt der Nostalgiker, das ist ja nichts. Man hat nichts in der Hnd, da kann man doch keine wirkliche Beziehung zur Musik aufbauen. Man kann sich nicht in zehn Jahren eine Platte ansehen und sich dadurch an jene Zeit erinnern, zu der man das gute Stück erworben hat.

Und mal ganz ehrlich, was ist beeindruckender? Wenn jemand zu mir sagt, seine Liedersammlung betrage über 40.000 Einzeltitel soll er mir die mal zeigen. Und nein, ein Blick auf die Festplatte reißt mich nicht zu Begeisterungstänzen hin. Eine ordentliche Plattensammlung, oder CD-Sammlung, so etwas erweckt Eindruck. Persönlich ausgesucht, von Hand sortieret (oder auch nicht) oder auch einfach nur chaotisch unters Bett geschoben beim letzen Frühjahrsputz. Halt „Dinge“ die angefasst werden können.

 

Wenn ich nächste Woche in den Urlaub zu meinen Eltern fahre wird meine stets anwesende Tasche mit Batterien, einem ollen Discman und zich CDs gefüttert werden. Pink Floyd, Die Ärzte und Dave Gahan, friedlich vereint im Dunkeln. Sicher ist auch, spätestens in Hamburg werde ich mich darüber ärgern, dieses oder jenes Album nicht mitgenommen zu haben.

11 Antworten zu „Plädoyer für ein aussterbendes Medium“

  1. Caipi sagt:

    Hm, das erinnert mich irgendwie an High Fidelity… Massig Platten, und die dann möglichst toll geordnet^.^

  2. absinthschaf sagt:

    Naja… nur das meine Wohnung aus Platzgründen keine Gefahr diesbezüglich bietet. Obwohl, auf dem Hochbett vielleicht ;)
    Auf jeden fall brauche ich dringend einen neuen CD-Ständer. Also wenn du noch einen übrig hast, immer her damit.

  3. Caipi sagt:

    Ich habe nichtmal CDs, geschweige denn einen Ständer dafür ;)

  4. konna sagt:

    Ich seh das ganz genauso! Musik, die einem wirklich gefällt, gehört als (Original-) CD in den Schrank (oder CD-Ständer). Hab zwar auch nen MP3-Player, aber nur, weil ich meine geliebten CDs beim mitnehmen nicht gefährden will, die Hüllen gehen auch immer so schnell kaputt :/
    Ansonsten: Rettet die CD! :)

  5. absinthschaf sagt:

    Na endlich wer, der das nachvollziehen kann. Ich bin entzückt.

    Es leben die 10-Packung Ersatzhüllen ;) Neulich fiel mir „Achtung Baby“ aus dem Regal… Panik, Entsetzten…. Riss in der Hülle. Ersatzhülle in Griffweite, Puls wieder normal.
    Vielleicht sollte ich öffters mal das Licht anmachen wenn ich etwas suche.

  6. konna sagt:

    Wenn du aber zum Beispiel Alben im limitierten Digipack hast und die umknicken, ist das nicht so leicht zu ersetzen ;)
    Ansonsten stimmt das natürlich mit den Ersatzhüllen.

  7. absinthschaf sagt:

    Okay, Punkt für dich. Dann muss man die in Ehren halten und in Schuhkartons aufbewahren. Gerade meine aktuelle Lösung wegen Platzmangel.

  8. konna sagt:

    Da sieht man die ja gar nicht so gut – ich hab mir eigens mal ein größeres CD-Regal gekauft, damit da alles an CDs und DVDs reinpasst. Aber wahrscheinlich hast du ne Menge CDs mehr als ich oder ein sehr kleines Zimmer :)

  9. absinthschaf sagt:

    Eine sehr kleine Wohnung. Und dabei hatte ich schon recht viel bei meinem Umzug daheim gelassen. Aber so ist das, man arbeitet, verdient Geld, sieht eine CD, kauft sich die CD….. Und das selbe bei den DVDs.
    Für ein dekoratives Regal ist da leider kein Platz.

  10. konna sagt:

    Das ist natürlich schade. Dafür ists bestimmt schön, wenn man die Kartons hervorkramt und dann beim Suchen sieht, was man alles schönes besitzt :)

  11. absinthschaf sagt:

    Oder eher wenn man irgendwann bemerkt „Mist…. beim letzen Besuch daheim ausgeliegen“ ;)

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